Malerei
QR-Code-Kunstprojekt auf der Landesgartenschau Hemer
Seit 17. April ist es der Öffentlichkeit zugänglich: das bislang weltweit
größte QR-Code-Kunstprojekt der Welt. Die insgesamt 24 Bilder zeigen Motive
zu zwölf verschiedenen Farben, von Blaugrün über Ockergelb bis zu
Zinnoberrot. In jedes Motiv ist ein QR-Code integriert, der mit modernen Handys und
der entsprechenden Reader-Software gescannt und entschlüsselt werden kann.
Technisch entsprechend ausgestattete Besucher gelangen so zu Texten,
Bildergeschichten und Animationen im Internet, die das Thema der Farbe weiter
vertiefen.
Zur Installation gehören neben den QR-Bildern auch Holzkästen des Essener
Bildhauers Peter Reichenbach, in denen Färberpflanzen zu den entsprechenden
Farbtönen präsentiert werden.
Technische Möglichkeiten ausgelotet
Weltweit setzen bislang nur circa zehn Künstler QR-Codes in ihren Bildern oder
Plastiken ein. Der Bekannteste unter ihnen ist der Japaner Takashi Murakami. Die
künstlerische Arbeit mit den zweidimensionalen Barcodes erfordert Wissen und
Fähigkeiten aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Neben dem Wunsch nach
künstlerischem Ausdruck sind Kenntnisse aus der Informationstechnologie
notwendig und digitale Inhalte müssen im Netz hinterlegt und gepflegt werden.
Ein QR-Kunstwerk liegt damit in der Schnittmenge aus Kunst, IT und Cyberspace.
Das mag ein Grund dafür sein, dass bislang nur wenige Kunstschaffende die
Möglichkeiten dieser Technik in ihren Werken nutzen. Die Arbeiten in Hemer loten
dazu künstlerische wie technische Grenzen der QR-Codes aus.
Das dynamische Kunstwerk
In der QR-Art ist es Künstlern erstmals möglich, ihre Werke auch dann noch
zu verändern, wenn sie bereits verkauft oder an einem unbekannten Ort sind.
Denn ein QR-Kunstwerk besteht aus einem physischen Teil (Bild oder Plastik) und einem
digitalen Bestandteil (Text, Animation, Film oder Audio-Datei). Da der QR-Code des
Werkes auf Inhalte verweisen kann, die auf einer Homepage des Künstlers liegen,
bleibt der Kommunikationskanal in eine Richtung immer offen. Wird Kunst als Statement
verstanden, ist dieses nicht mehr fix, sondern kann der persönlichen Entwicklung
des Künstlers und seinen präferierten Ausdrucksformen nachträglich
angepasst werden. Ein QR-Kunstwerk kann also auch nach dem Kauf noch spannend bleiben.
Handwerk und Zukunftstechnologie in einem Projekt
Die Installation auf der Landesgartenschau in Hemer besteht aus zwei aufeinander
abgestimmten Arbeiten der Künstler Peter Reichenbach und Frank Haase.
Reichenbach, Atavist und Fachmann für Färberpflanzen, fertigte 24 Holzkästen, in
denen er Pflanzen präsentiert, aus denen natürliche Farbstoffe gewonnen werden
können. Zu insgesamt zwölf verschiedenen Farben werden einheimische wie
afrikanische Pflanzen gezeigt. Die Holzkästen sind mit den natürlichen
Farben gebeizt.
Haase, Künstler und Designer, erstellte 24 QR-Art-Bilder, in denen die symbolische und
gesellschaftliche Bedeutung der Farben thematisiert werden. In der Zusammenstellung
verbindet die Installation Tradition und Zukunft, Handwerk und Informationstechnologie
sowie Natur und Technik.
Zu sehen sind die Arbeiten auf der Landesgartenschau noch bis zum 24. Oktober 2010.